Schweizer Taschenmesser – der Alleskönner unter den Taschenmessern

Das Schweizer Taschenmesser, das in der Schweiz selbst eher als Offiziersmesser oder Sackmesser bekannt ist, gibt es seit dem späten 19. Jahrhundert. Es wurde für die Schweizer Streitkräfte entwickelt. Seine hervorstechendste Eigenschaft ist die Multifunktionalität, die inzwischen sprichwörtlich wurde. Man sagt, ein bestimmtes Tool sei das „Schweizer Messer“ in diesem Bereich, weil es alles kann. Hierzu ist anzumerken, dass es a) natürlich multifunktionale Taschenmesser auch von anderen Herstellern aus anderen Ländern gibt und b) manche der Schweizer Messer eigentlich nur sehr wenige Funktionen mitbringen (siehe weiter unten). Der legendäre Ruf der Schweizer Taschenmesser basiert vielmehr auf einer unglaublichen Markengeschichte. Darauf verweisen auch die echten Schweizer Taschenmesser mit ihrem Design: Sie tragen auf ihrer roten Cellidor-Griffschale als Erkennungszeichen das Schweizerkreuz.

Funktionen der Schweizer Taschenmesser

Es gibt Schweizer Taschenmesser in unglaublich vielen Varianten. Die ursprüngliche Ausstattung der ersten Messer dieser Art war:

  • Klinge
  • Dosenöffner
  • Ahle
  • Schlitzschraubendreher

Damit begann dann auch die Markengeschichte und Legendenbildung, denn es war im späten 19. Jahrhundert noch eine ziemlich neue Idee, ein klappbares Messer für die Hosentasche mit mehreren Funktionen anzubieten. Diese Idee hat natürlich einen hohen praktischen Mehrwert, weshalb die zivilen Modelle des Schweizer Taschenmessers um etliche Funktionen erweitert wurden. Dazu gehören unter anderem eine Holzsäge, eine Schere, eine Metallfeile, ein Korkenzieher, ein Zahnstocher, eine Pinzette und ein Fingernagelreiniger. Spezialmodelle für Angler bringen einen Fischentschupper mit, Golfer kaufen sich ein Schweizer Taschenmesser mit Rasenheber. Das umfangreichste Messer dieser Art – Wenger Giant Knife 2007 – schaffte es ins Guinness-Buch der Rekorde, es ist mit 81 Einzelwerkzeugen für 141 Funktionen ausgestattet. Daher ist es groß und schwer, es gilt eher als Sammlerstück. Ihm stehen Modelle mit minimiertem Umfang gegenüber, die neben der Klinge lediglich einen Kapselheber mitbringen. Modernere Schweizer Taschenmesser können mit Uhren, Leuchtdioden, Laserpointern und USB-Sticks versehen sein. Einige der wichtigsten Werkzeuge des Schweizer Taschenmessers und ihr Nutzen im Alltag lassen sich so beschreiben:

  • Die Hauptklinge ist grundsätzlich rostfrei und flach geschliffen. Sie kann sehr unterschiedlich lang sein, gängige Maße verschiedener Modelle sind 3,95 cm, 7,0 cm und 8,63 cm. Bei einigen Modellen wie dem Victorinox Forester und bei den militärisch genutzten Schweizer Messern lässt sie sich feststellen, wodurch das Messer zur Waffe wird. Ansonsten dient sie zum Schnitzen und für die Nahrungszubereitung oder Jagd.
  • Die kleine Klinge (optional) ist niemals feststellbar und fast immer kürzer als 4,0 cm, allerdings durchaus breit und stabil. Sie eignet sich ideal für das Schnitzen. Hierfür wäre die Hauptklinge zu unhandlich.
  • Die Holzsäge kann recht unterschiedliche Größen haben. Beim Forester ist sie ziemlich groß, beim Huntsman eher klein. Allerdings eignet sie sich in jeder Größe überraschend gut zum Sägen von Holz. Darüber hinaus hat sie einen scharfen Rücken und kann daher zum Anzünden eines Feuers mit einem Feuerstahl verwendet werden.
  • Die Ahle dient zum Stechen und Bohren von Löchern in Leder oder Holz. An manchen Ahlen findet sich zusätzlich eine Öse für das Einfädeln eines Fadens zum Nähen.
  • Die Schere hat eine Feder und lässt sich daher einhändig per Daumendruck bedienen. Sie ist sehr stabil und kräftig.
  • Mit einem Ring lässt sich das Schweizer Messer zum Beispiel am Gürtel oder an einem Band tragen.
  • Der Korkenzieher öffnet funktionsgemäß Weinflaschen, aber auch enge Knoten.
  • An vielen Schweizer Messern befindet sich ein Flaschenöffner, den die Schweizer Kapselheber nennen.
  • Auch eine Lupe kann es am Schweizer Taschenmesser geben. Mit dieser lässt sich mit etwas Geschick ein Feuer anzünden.

Beliebte Modelle des Schweizer Taschenmessers 2022

  • My First Victorinox
  • Bantam
  • Forester
  • Walker
  • Recruit
  • Waiter
  • Tourist
  • Sportsman
  • Tinker, Tinker Small, Super Tinker & Deluxe Tinker
  • Spartan & Spartan Lite
  • Hiker
  • Camper
  • Climber
  • Fieldmaster
  • Huntsman & Huntsman Lite
  • Fisherman
  • Mountaineer
  • Explorer
  • Compact
  • Angler
  • Ranger
  • Handyman
  • CyberTool M, L & Lite
  • SwissChamp & SwissChamp XXL
Schweizer Taschenmesser

Schweizer Taschenmesser: Geschichte

Das ursprüngliche Messer basierte auf einer Entwicklung des Schweizer Messerschmieds Karl Elsener (1860 – 1918), der 1884 in Ibach ein eigenes Unternehmen gegründet hatte. Sein erstes Schweizer Messer hatte er schon 1884 entwickelt. Produziert wurden allerdings die ersten Modelle ab 1891 von der Solinger Messermanufaktur Wester & Co. Die Schweizer Armee hatte die Anschaffung so eines Messers für ihre Soldaten beschlossen, doch weder Elsener noch ein anderes Schweizer Unternehmen verfügten vorläufig über die erforderlichen Produktionskapazitäten. Erst Ende 1891 konnte Elsener in die Produktion einsteigen. Aus seiner Firma ging später das Unternehmen Victorinox hervor. 1893 stieg die Schweizer Firma Paul Boéchat & Cie. in die Herstellung ein, aus ihr ging später das Unternehmen Wenger hervor.

Zu jener Zeit gab es noch weitere Hersteller aus der Schweiz und auch Deutschland, welche die Messer in kleineren Stückzahlen lieferten, später teilten sich hauptsächlich Victorinox und Wenger den Markt. 2005 kaufte Victorinox den Konkurrenten Wenger auf, auch um die inzwischen legendäre Marke vor einer ausländischen Übernahme zu schützen. Diese war schon seit 1897 geschützt. Die Grundmodelle des für die Schweizer Armee produzierten Messers wurden seither mehrfach angepasst. Es gab schließlich fünf Standardmodelle mit Modellnummern aus dem Jahr ihrer Einführung bzw. Entwicklung:

  • 1890
  • 1908
  • 1951
  • 1961
  • Soldatenmesser 08

Die Grundmodelle wurden wiederum teilweise überarbeitet, weshalb von ihnen ganz verschiedene Ausführungen existieren. Schon ab 1961 produzierten vorläufig nur noch Victorinox und Wenger die Schweizer Taschenmesser, doch es gab zwischenzeitlich immer wieder Versuche kleinerer Produzenten, in den Markt einzusteigen. Aufgrund hoher Lizenzgebühren gaben sie schnell wieder auf. Die Quasi-Alleinstellung von Victorinox und Wenger seit den 1960er Jahren festigte den Status der beiden Unternehmen als Originalhersteller, bis schließlich nur noch Victorinox übrig blieb.

Mit dem Modell 1961 änderte sich das Design der echten Soldatenmesser gegenüber den zivilen Modellen: Während Letztere über rote Kunststoffgriffschalen verfügen, besteht seither der Griff der Messer für den militärischen Bereich aus geriffeltem Aluminium. Die Ausstattung wurde für das Militär wieder reduziert, die Soldatenmesser verfügten wie in der Anfangszeit nur noch über eine Klinge, die Ahle, den Dosenöffner und den Schlitzschraubendreher, teilweise auch über einen Kapselheber. Schweizer Messer für den zivilen Verkauf sind hingegen häufig sehr umfangreich ausgestattet.

Einsatz der Schweizer Taschenmesser heute

Nach der Schweizer Armee führten auch die Armeen von mehr als 20 weiteren Staaten als Ausrüstungsgegenstand das Schweizer Taschenmesser ein. Unter anderem ist es Standard in der Bundeswehr. Die zivilen Ausgaben des Messers sind bei Outdoor-Aktivitäten so nützlich wie beliebt. Camper führen sie gern mit, aber auch Wanderer und erst recht die Fans von Survival-Trainings. Bei dieser Überlebenskunst gilt es ja gerade, mit sehr kleinen Mitteln in einer feindlichen Umgebung zurechtzukommen, sich zu ernähren, Biwaks anzulegen und sich nötigenfalls auch zu verteidigen. Für all das ist ein Schweizer Taschenmesser nützlich. Es soll dabei helfen, eine Notsituation in einem unbesiedelten Gebiet zu bewältigen, wie sie in der Tat bei einer Expedition, bei Natursportarten wie Bergwandern oder Trekking, bei einer Havarie, Fahrzeugpanne oder Notlandungen sowie nach einer Naturkatastrophe entsteht.

Es geht dann um das nackte Überleben. Hierfür müssen sich Menschen Wasser und Nahrung besorgen, einen Unterschlupf bauen und sich gegen Angriffe verteidigen können. Wie nützlich dabei ein Schweizer Taschenmesser ist, zeigen beispielsweise die 73 Funktionen des Modells SwissChamp XXL. Dazu gehören
unter anderem neben mehreren Klingen ein Druckkugelschreiber und eine Stecknadel, ein Dosenöffner, mehrere Schraubendreher, ein Drahtabisolierer, mehrere Gabelschlüssel, eine Kombizange, ein Drahtschneider, Bit-Halter und -Schlüssel, mehrere Inbusschlüssel, ein Fischentschupper und ein Angellöser, Haken- und Kabelklingen, ein Korkenzieher und diverse Bit Hexes. Das ist nur eine Auswahl der Funktionen! Mit diesem Schweizer Taschenmesser kann eine furchtlose Person in der freien Natur überleben. Sie kann sich Wasser besorgen und Fische fangen, mitgeführte Dosen öffnen, umfangreich Holz bearbeiten, sich nötigenfalls verteidigen, einen Lagerplatz anlegen, Fallen bauen und die eigene Kleidung oder ein Zelt reparieren.

Meistens führen die Menschen in Notsituationen bestimmte Ausrüstungsgegenstände mit und/oder waren sogar mit Fahrzeugen, Flugzeugen oder Booten unterwegs, doch diese Geräte können reparaturbedürftig sein. Das ist ja die eigentliche Realität, um die es beim Survival geht: Es wird niemand ohne sonstiges Zubehör (lediglich mit einem Schweizer Taschenmesser) in der Natur ausgesetzt, sondern Wanderer, Radler, Motorrad- und Autofahrer, Bootsausflügler oder gar Flugzeuginsassen geraten in eine Notsituation. Nun müssen sie mit dem vorhandenen Material und dem, was ihnen die Natur bietet, zurechtkommen. Dafür benötigen sie ein sehr vielfältiges und dabei sehr transportables Werkzeug. Dieses Werkzeug ist das Schweizer Taschenmesser.

Markenschutz des Schweizer Taschenmessers

Auch andere Hersteller bieten wie erwähnt Multifunktionsmesser an, doch das Schweizer Taschenmesser ist schon sehr lange markenrechtlich geschützt (siehe oben). Der Schutz bezieht sich auf die Marke „Schweizer Offiziersmesser“ und bezieht das Logo des Schweizkreuzes in zwei Varianten mit ein. Der heutige Markeninhaber ist das Unternehmen Victorinox, das seine Markenrechte resolut durchsetzt – inklusive Klagen gegen Wettbewerber, die das Grundkonzept kopieren und außerdem möglicherweise das Schweizkreuz verwenden.