Nageldesign – Nagellack und Fingernägel

Nageldesign bedeutet, Finger- und Zehennägel kosmetisch zu gestalten. In begrenztem Umfang gehören auch Maniküre und Pediküre dazu, daraus hat sich das Nageldesign einst entwickelt. In seiner modernen Form konzentriert es sich aber inzwischen auf die optische Verschönerung der Nägel mit Gel, Nagellack, Acryl oder Folien sowie auf ihre Verlängerung. Da es hierbei beeindruckende künstlerische Ergebnisse gibt, hat sich inzwischen der Begriff Nail-Art („Nagel-Kunst“) eingebürgert. Die Nagelmodellage befasst sich speziell mit der Nagelverlängerung und -verstärkung. Hierbei kommen aushärtende Kunststoffe wie Kunstharz, Acryl und Fiberglas zum Einsatz.

Nageldesign mit langer Tradition

Die Gestaltung von Nägeln hat eine alte Tradition, die beispielsweise aus der chinesischen Ming-Dynastie (1368 bis 1644) überliefert ist. Adelige Chinesinnen trugen lange und verschönte Fingernägel, um mit diesem Statussymbol zu zeigen, dass sie mit ihren Händen nicht arbeiten müssen. In Griechenland trugen im frühen 19. Jahrhundert Damen der Oberschicht auf ihren Fingernägeln leere Pistazienschalen. Das setzte sich allmählich als Trend in Europa durch, wobei alsbald auch künstliche Stoffe zum Einsatz kamen. Acryl setzte als erster der Chemiker Fred Slack in den 1960er Jahren ein. Er entwickelte eigentlich zahnmedizinische Produkte und behandelte eines Tages mit zahnmedizinischem Kunststoff einen verletzten Fingernagel, was einen Durchbruch bei der Nagelmodellage bedeutete. Anschließend entwickelten sich verschiedene Verfahren wie die Modellage mit Schablonen und die Nagelspitzen (Tips). Die Tips lassen sich relativ einfach mit Nagelkleber ankleben und dann modellieren. Das Modellieren mit Schablone ist etwas komplizierter, führt aber zu einer natürlicheren Optik und vermindert das Fremdkörpergefühl, das bei den Tips unweigerlich entsteht. Auch erlaubt es noch mehr Gestaltungen wie Stilettos, Pipes, Edge-Nails, Fringe-Nails und New-Style-Formen. Darüber hinaus lässt sich auch der gewachsene Naturnagel mit Modellagekunststoff verstärken. „Refresh“ ist ein Verfahren, bei dem der Nagel neu designt wird. Anschließend erfolgt eine Mattierung der Oberfläche. Arbeitsmittel für die Modellage der Nägel sind:

  • UV-Gel und der Pinsel zum Auftragen
  • Buffer
  • Feilen
  • Cleaner
  • Rosenholzstäbchen
  • Zelletten
  • Lichthärtungsgerät

Für die Verlängerung mit Tips benötigt eine Nageldesignerin:

  • Tips
  • Kleber
  • Cutter
  • Blender

Nageldesign mit Acryl

Künstliche Nägel lassen sich nach wie vor aus Acryl herstellen. Der Aufbau erfolgt mit einem Zweikomponentenacryl, das aus einem Liquid (Flüssigkeit) und einem feinen Acrylpulver besteht. Nach dem Mischen härten die Komponenten entweder selbstständig oder unter UV-Licht aus. Acrylnägel sind sehr hart und lassen sich daher sehr dünn gestalten. Trotzdem können sie präzise bearbeitet werden. Sie lassen sich auf jedem Naturnagel anbringen und relativ einfach mit Aceton (einem Lösungsmittel) wieder entfernen. Wenn Bedenken gegen das Aceton bestehen, kommt auch das Abfräsen infrage. Wenn Acrylnägel lackiert werden, muss zum Ablacken acetonfreier Nagellackentferner eingesetzt werden. Ansonsten würde das Ablacken die Nägel lösen. Die Herstellung von Acrylnägeln ist deutlich schwerer als das Design mit Gel und gilt als Königsdisziplin. Sie ist schwer zu erlernen. Da das Zweikomponentenacryl eigenständig und relativ schnell aushärtet, muss die Nageldesignerin schnell arbeiten. Dafür lassen sich mit Acrylnägeln besonders ausgefallene Designs herstellen, so etwa 3D-Blumen. Wenn Nageldesignerinnen bei Meisterschaften antreten, zeigen sie ihre Kunst regelmäßig in dieser Disziplin.

Nageldesign mit Gel

Nägel lassen sich sehr gut mit einem UV-reaktiven, modellierfähigen Gel designen. Dieses ist ein zunächst weicher Kunststoff, der sich gut verarbeiten lässt und unter dann UV-Licht aushärtet. In Deutschland bevorzugen sehr viele Nageldesignerinnen und ihre Kundinnen diese Methode, die sich einfach handhaben lässt. Mit Gel können Nägel verstärkt und verlängert werden, auch lassen sie sich zusätzlich optisch gestalten. Die Nageldesignerin setzt ein spezielles Härtungsgerät ein, in das ihre Kundin die Hände nach der Modellierung mit dem Gel legt. Das Gerät schickt UV-Licht auf die Nägel, es ist lediglich eine gewisse Wärmeentwicklung zu spüren. Die Aushärtung erfolgt in wenigen Minuten. Gel ist vergleichsweise weich und eignet sich daher besonders gut für weiche Naturnägel. Solange es flüssig ist, lässt es sich färben und mit Verzierungen wie Trockenblumen, Kristallsteinchen und Einlegemotiven bestücken. Gegenüber Lösungsmitteln sind die meisten Gele beständig. Das Entfernen der Verschönerung erfolgt daher oft durch Fräsen. Einige Varianten wie die Soak-Off-Gele lassen sich aber trotz UV-Härtung mit Lösungsmitteln entfernen. Die Art des Gels bestimmt sehr stark das Nageldesign: Wenn eine Frau weiß, dass die Gelnägel abgefräst werden müssen, entscheidet sie sich für eine Gestaltung, die sie sehr lange tragen möchte.

Nageldesign

Nagellack für das Nageldesign

Nagellack ist die einfachste Variante, um sich die Nägel zu verschönern. Die meisten Frauen setzen sie fast täglich selbst ein und entfernen den Nagellack auch wieder. Eine Nageldesignerin kennt allerdings besondere Sorten, Tricks für die Gestaltung und Varianten, die zu einem bestimmten Outfit ganz besonders gut passen. Daher lohnt es sich für jede Frau, sich zum Nagellack von ihrer Nageldesignerin zumindest einmal beraten zu lassen bzw. auch mit ihr die eine oder andere neue Variante auszuprobieren.

Nail-Art

Nail-Art ist die Verzierung eines fertigen Nagels. Ihre einfachste Variante ist der sogenannte Frenchlook. Dabei wird die Nagelspitze so bearbeitet, dass sie strahlend weiß aussieht, während der Rest des Nagels transparentem oder milchig-weiß erscheinen soll. Die vielleicht zweithäufigste Variante ist der Überzug mit farbigem Acrylüberlack. Dieser ist so hart, dass er mehrere Wochen lang glänzt wie poliert. Der Effekt heißt Permanent Nail Polish (kurz PNP). Acrylüberlack ist ein Thermogel, er ändert seine Farbe mit der Temperatur, was sehr interessant ist. Darüber hinaus sind der Kreativität von Nageldesignerinnen bei der Nail-Art praktisch keine Grenzen gesetzt. Sehr häufig genutzte Verschönerungstechniken sind:

  • Nägel bekleben
  • Airbrushmotiv auf den Nägeln
  • verschiedene, auch exotische Farben
  • 3D-Motive
  • Glitter
  • extravagante Formen
  • Herstellen eines völlig natürlich wirkenden Kunstnagels

Die letztgenannte Variante nutzen auch Männer, die an ihren Nägeln kauen. Diese wirken damit gepflegter.

Entfernung einer Modellage

Wie schon erwähnt lässt sich eine Modellage des Nagels entweder mit Aceton oder durch Fräsen bzw. Abschleifen entfernen. Wichtig zu wissen: Der Naturnagel unter der entfernten Modellage ist relativ dünn und weich. Er wuchs in der Zeit des Überzugs mit Arcryl oder Gel kaum, weil das in ihm enthaltene Keratin, das normalerweise das Wachstum fördert, zur Luft und auch zu normalem Licht keinen Kontakt hatte. Hinzu kommt: Wenn Nägel vor dem Modellieren angeraut werden und an sich schon dünn sind, schwächt sie das zusätzlich. Nach dem Entfernen einen Modellage kann ein Nagel noch für einige Monate stärker anfällig für eine Keimbesiedlung sein.

Warum sollte nur eine ausgebildete Nageldesignerin die Nägel modellieren?

Abgesehen vom alltäglichen Feilen und einfachen Lackieren der Nägel empfiehlt es sich immer, für besondere Verschönerungen und komplexere Verfahren ein Nagelstudio aufzusuchen. Das minimiert die Gefahren, die es durch Nageldesign auch gibt. Wenn Nageldesign nicht ganz korrekt durchgeführt wird, kann es Nagelerkrankungen wie den Nagelpilz begünstigen. Das beginnt schon beim zu starken Feilen bis ins Nagelbett hinein: Davon rät jede Kosmetikerin ab, weil es das Risiko für Infektionen erhöht. Des Weiteren könnten Materialien für die Nagelmodellage unter Umständen Allergien auslösen, die sich als Hautausschlag oder sogar als Schwellung an den Händen bis hin zum Gesicht zeigen würden. Eine ausgebildete Nageldesignerin kennt diese Gefahr, befragt ihre Kundinnen nach Indizien für so eine Allergie und führt gegebenenfalls einen kleinen Test durch. Nicht zuletzt muss das Material für die Nagelverlängerung zu den Nägeln der Kundin passen. Es muss hart genug sein, um seinen Zweck des länger anhaltenden optisch attraktiven Eindrucks zu erfüllen, jedoch so weich sein, dass es bei gefährlicher Überlastung bricht, bevor der Naturnagel reißt. Hierfür ermittelt die Nageldesignerin die Belastungsfähigkeit des Naturnagels. Sie weist auch ihre Kundin darauf hin, wie diese mit längeren Nägeln im Alltag hantieren soll. Wenn die Kundin hiermit noch wenig Erfahrung hat, rät die Nageldesignerin dazu, die Nägel zunächst nicht allzu sehr zu verlängern.

Ausbildung zur Nageldesignerin

Nageldesignerin ist kein offizieller Ausbildungsberuf. Die Fachrichtung wird im Rahmen einer Zusatzqualifikation erlernt. Die angehenden Nageldesignerinnen bzw. -stylistinnen müssen eine abgeschlossene Ausbildung als Friseuse oder Kosmetikerin mitbringen. Nach der betreffenden Zusatzqualifikation hat eine Nageldesignerin viele berufliche Möglichkeiten:

  • Arbeit als Angestellte in einem Kosmetik- und Nagelstudio
  • Einrichtung einer eigenen Praxis als selbstständige Nageldesignerin (Nageldesignstudio)
  • Nageldesign als Zusatzangebot im Friseursalon, einer Wellnesseinrichtung oder einem Hotel

Nicht selten machen selbstständige Nagelstylistinnen auch Hausbesuche. Weiterbildungen für den Beruf gibt es als Komplettschulung, die umfassend Maniküre, Pediküre und Nail-Art enthalten, und als Spezialschulungen nur für Teilbereiche. Diese Weiterbildungen finden in Voll- oder Teilzeit (oft als Wochenendseminar) statt. Angeboten werden sie von privaten Bildungsträgern, aber auch von Volkshochschulen und sogar von einigen Handwerkskammern. Bildungsinhalte sind Biologie und Chemie, Geschichte des Nageldesigns, Grundlagen der Maniküre und Pediküre, Nail-Art und Basiswissen zur selbstständigen Tätigkeit.

Basis des Nageldesigns: Maniküre und Pediküre

Hervorgegangen ist das Nageldesign aus der Maniküre und der Pediküre. Maniküre bedeutet die kosmetische Pflege von Händen inklusive ihrer Nägel, Pediküre befasst sich mit den Füßen. Dazu gehören das Baden von Händen oder Füßen, das Schneiden und Feilen der Nägel, das Entfernen von abgestorbener Nagelhaut und das Lackieren und/oder Polieren der Nägel. Dies sind Tätigkeiten, die eine Nageldesignerin auch durchführt. Auch Wissensbereiche überschneiden sich, so etwa das Fachwissen zur Nagelgesundheit. Ebenso gehören zu beiden Berufen bestimmte Werkzeuge wie die Nagelzange oder der Nagelschneider, die Nagelfeile und bestimmte Pflegesubstanzen.