Wunder-Baum

Der Wunder-Baum ist der bekannte Duftbaum, den Kraftfahrer im Fahrzeug aufhängen. Fachsprachlich handelt es sich um einen Einweg-Riechstoffverbreiter, dessen Silhouette einem Nadelbaum nachempfunden ist.

Wie funktioniert ein Wunder-Baum?

Der Lufterfrischer gibt Duftstoffe ab, die schlechte Gerüche im Fahrzeug übertünchen und das Wohlbefinden erhöhen. Es gibt verschiedene Duftrichtungen. Am beliebtesten sind:

  • Vanille
  • Neuwagen
  • Sportfrische
  • grüner Apfel

In Deutschland, den Niederlanden, Schweden, Dänemark, Norwegen, Finnland und Polen heißt der Lufterfrischer Wunder-Baum, in Nordamerika Little Trees, in Irland und Großbritannien Magic Tree sowie in Frankreich, Spanien, Portugal und Italien Arbre Magique. Er besteht aus offenporigem, filzähnlichem und saugfähigem Karton, der mit Duftstoffen getränkt und wegen des Designs beidseitig bedruckt ist. Die Lieferung erfolgt eingeschweißt in einer Kunststoffhülle, die vor der Benutzung leicht nach unten zu ziehen ist. Damit gibt der Wunder-Baum nur einen Teil seiner Duftstoffe frei. Clevere Nutzer ziehen die Hülle Woche für Woche leicht herab, damit die Wirkung lange anhält. Wer die Hülle sofort komplett abzieht, wird vom Geruch erschlagen, was sogar Kopfschmerzen auslösen kann.

Wunder-Baum: die Erfindung

Der kanadische Biochemiker und Unternehmer Julius Sämann, ein aus Deutschland geflohener Jude aus Uffenheim, entwickelte den Wunder-Baum ab 1951, nachdem sich ein Milchfahrer bei ihm über den üblen Gestank verschütteter Milch beklagt hatte. Sämann tüftelte eine Weile, bis er es schaffte, Kiefernnadelöl in einem porösen Karton für eine Weile zu halten, damit es allmählich ausdunstet. 1952 konnte Sämann die Firma Car-Freshner Corporation gründen, die den Little Tree herstellte und verkaufte.

Die ersten Kunden waren Taxifahrer, die gleichzeitig zur Popularisierung des Duftspenders beitrugen. Der Wunder-Baum entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte weiter. Es gibt heute über 60 Duftrichtungen, seit 2012 Duftflacons, seit 2013 duftende Clips in Tannenform und seit 2014 Stecker für die Belüftungsschlitze, die praktisch unsichtbar sind. Die Produkte kommen immer noch von Car-Freshner Corp., das Unternehmen wird inzwischen in dritter Generation geführt. Sein Sortiment für Nordamerika ist sogar noch etwas größer. In Europa hat die Firma Produktionsstätten in der Schweiz, in Schweden und Italien aufgebaut.

Sortiment und Serien des Wunder-Baums

Den Wunder-Baum gibt es in der Classic Line, zu der alleine über 40 Sorten gehören. Weitere Serien sind:

  • Cocktail Trees (Mai-Tai, Piña Colada, Margarita)
  • Sentiment (Passion, Relax, Power, Energie)
  • Rock Range (Born to Rock, Citrus Flames, Delicious, Wild Child)
  • Designer-Edition (Geisha, Eis, Roots, Letters)

Stark nachgefragt wird nur ein kleiner Teil des vielfältigen Angebots. Gerade in Deutschland wünschen die Autofahrer nach Unternehmensangaben fast nur Vanille und einige fruchtige Sorten (Letztere besonders in Ostdeutschland).

Wunder-Baum

Wunder-Baum: Marken- und Designschutz

In den USA hat der Hersteller das Design durch sechs Form- und Bildmarken schützen lassen. Diese erfassen neben den Lufterfrischern auch Sticker, Bekleidung, Büroartikel und Taschen. Der Markenschutz in anderen Ländern geht sogar noch weiter. So ist der Wunder-Baum in Deutschland sogar durch 13 Bildmarken geschützt. Hierzulande wurden dazu noch keine Rechtsstreitigkeiten bekannt. In den USA hingegen und auch in einigen europäischen Ländern ging der Konzern Car-Freshner Corporation schon äußerst konsequent gegen Markenrechtsverletzungen vor.

2005 verklagte er die Firma Rite Way – Wholesale & Distributors, Incorporation of New York wegen einer Kopie des Vanilla-Pride-Little-Trees, des Stars-&-Stripes-Designs und der Vanille-Duftnote. Die Car-Freshner Corporation gewann den Prozess, erhielt Schadensersatz und konnte die Einstellung der Vermarktung durch den Prozessgegner durchsetzen. Ein Jahr darauf verklagte sie Miracle Products wegen eines Lufterfrischers namens Little Tee, dem also nur ein Buchstabe gegenüber dem Original Little Tree fehlte. Im selben Jahr ging sie gegen ein britisches Unternehmen vor, das einen tannenförmigen Lufterfrischer angeboten hatte, und gegen das US-Unternehmen Dale Detwiler, das eine duftende Grußkarte in der Form des Car-Freshner-Lufterfrischers auf den Markt gebracht hatte.

2011 folgten eine Klage gegen Getty Images wegen Fotos mit Motiven des Wunder-Baums und eine weitere Klage gegen Beck & Call wegen einer ähnlich gestalteten Lufterfrischereihe. Den bulgarischen Hersteller Balev Eood verklagte Car-Freshner wegen eines Plagiats seiner Reihe Areon Airplane. In diesem Fall unterlag die Car-Freshner Corp., die ihre anderen Prozesse gewonnen hatte. Dennoch änderte Balev Eood das Design seiner Produkte grundlegend. Ähnliche Rechtsstreitigkeiten setzten sich bis in die Gegenwart fort, fast immer konnte die Car-Freshner den Schutz ihrer Markenrechte durchsetzen. Die meisten der Prozessgegner stammten aus den USA, doch es gab neben den Firmen aus Großbritannien und Bulgarien auch Unternehmen beispielsweise aus Österreich, die sich dem Markeninhaber vor Gericht unterwerfen mussten.

Wunder-Baum als Teil der Populärkultur

Inzwischen hat die Populärkultur den Wunder-Baum mitsamt seiner Kontur integriert. In zahlreichen Filmen und Serien seit 1985 bis zur Gegenwart ist er in Autos zu sehen. Ein bekanntes Beispiel aus Deutschland ist die Serie „Der Tatortreiniger“ mit Bjarne Mädel.